Netzwerktreffen der vhb 2026: Impulse für die digitale Hochschullehre

„Gemeinsam neue Wege gehen: Lehren. Lernen. Prüfen.“ – unter diesem Motto rückte das Netzwerktreffen der vhb am 24. Februar 2026 die Zukunft der Hochschullehre in den Mittelpunkt. Insgesamt 60 Teilnehmende aus den Serviceeinrichtungen und Stabsstellen der bayerischen Hochschulen kamen an der HAW München zusammen – und tauschten sich über innovative Lehr- und Prüfungsformate sowie den reflektierten Einsatz von KI im Hochschulkontext aus. 

Impulse aus Forschung und Praxis

In vier Impulsvorträgen wurden zunächst verschiedene Ansätze und Tools für Lehr-, Lern- und Prüfszenarien im Zeitalter von KI vorgestellt.

KI‑gestützte Portfolioarbeit 

Dr. Tamara Rachbauer (Universität Passau) stellte das KI‑Folio vor, das Portfolioarbeit mit KI‑Elementen verbindet. Im KI-Folio können Studierende ihren Lernprozess im Austausch mit individuellen bzw. thematisch auf die Lehrveranstaltungsformate bezogenen Chatbots reflektieren oder erste automatisierte Rückmeldungen zu Texten erhalten. Die bisherigen Evaluationen zeigen das Potenzial insbesondere in großen Kohorten:  Studierende können im Lernprozess individueller begleitet werden während Lehrende Unterstützung bei der Prüfungsvorbereitung erhalten. Voraussetzung dafür sind eine sorgfältige Einführung der Lernenden und Lehrenden sowie ein klarer didaktischer Rahmen.

Kompetenzorientiertes Prüfen im Zeitalter von KI

Miriam Liebhart (HAW Kempten) widmete sich der Frage, wie Prüfungen auch im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz Kompetenzentwicklungen sichtbar machen können. Als möglichen Lösungsansatz stellte sie das Scientific Poster in Kombination mit Portfolios vor. Die Studierenden übertragen dabei die im Kurs erarbeiteten Inhalte und ein selbst gewähltes Schwerpunktthema in eine visuelle Darstellung. Dieses Format fördert einerseits die Fähigkeit zu Transferleistungen, Teamarbeit und kritischem Denken – und dient zugleich als Grundlage für die Leistungsbewertungen.

Extended Reality in der Lehre

Jonas Würdinger (Universität Bayreuth) zeigte in seinem Impuls „Lernen mit Extended Reality. Dreidimensionale Lehrformate erkunden“, wie VR‑Brillen neue Lernräume eröffnen können.  Auch wenn die Einsatzszenarien vielfältig sind, sollte die Nutzung immer mit Bedacht erfolgen:

So benötigen XR‑Formate nicht nur klare Lernziele, sondern auch langfristig gesicherten technischen Support. Angesichts der schnellen Innovationszyklen sollten Hochschulen daher die Anschaffung von VR-Brillen sorgfältig prüfen und ihren Einsatz strategisch planen.

Didaktische Konzepte spielerisch analysieren 

Dr. Thomas Bröker, Ann Marie Wester und Dr. Benjamin Zinger (TH Nürnberg) präsentierten die EMPAMOS‑Methode: Dabei werden Gamification‑Elemente genutzt, um Lehrprozesse jenseits abstrakter Meta-Ebenen konkret und besprechbar zu machen. Ziel ist die Optimierung von Lehr-/Lern-Settings, um die Motivation von Lehrpersonal und Studierenden dauerhaft zu steigern.

Mini‑Barcamp: KI bleibt zentrales Thema

Das anschließende Mini‑Barcamp bot die Gelegenheit, alle Impulse weiter zu vertiefen und eigene Fragestellungen zu diskutieren. Zudem konnten die Teilnehmenden das EMPAMOS-Kartenset ausprobieren und den Einsatz von VR-Brillen anhand bestehender Einsatzszenarien mit verschiedenen Modellen testen.

Besonderes der Umgang mit KI in der Hochschullehre wurde von den Teilnehmenden eingehend diskutiert – sowohl aus Sicht der Lehrenden als auch der Studierenden. Dabei zeigte sich, dass die anfängliche Begeisterung vieler Lehrender einer differenzierteren, teilweise auch skeptischen Haltung gewichen ist. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Orientierung, insbesondere bei der Gestaltung geeigneter Prüfungsformate. Deutlich wurde auch, dass sich viele Lehrende praxisnahe Beispiele, klare Leitlinien und Weiterbildungsangebote wünschen, um KI‑Tools sinnvoll und datenschutzkonform in ihre Lehrveranstaltungen einzubetten.

Hochschulübergreifender Austausch ist der Schlüssel

Das Netzwerktreffen zeigte erneut, wie wertvoll der persönliche Austausch zwischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften ist. Die offene Atmosphäre ermöglichte es, Erfahrungen zu teilen, Herausforderungen zu benennen und neue Ideen für die digitale Lehre zu entwickeln. Als hochschulübergreifende Plattform trägt die vhb dazu bei, Innovationen in der asynchronen Online‑Lehre sichtbar zu machen und gemeinsam weiterzuentwickeln.

Bilder: © vhb/Neff